Indien ist ein Bauerland daran haben die seit der Mitte des
19.Jh. unter den Engländern aufgebauten Industrieunternehmungen
und die intensivere Industrialisierung des unabhängig gewordenen
Indien in den letzten beiden Jahrzehnten nichts geändert
gewordenen Indien in den letzten beiden jahrzehnten nichts geändert.
Rund 70% aller Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft
beschäftigt (1971), nur 9,5% in der industriellen Produktion
und 14,5% im dienstleistungsbereich. Über die landwirtschaftlichen
Betriebsgrößen gibt es wenig zuverlässige Angaben.
1950/1951 ergab eine Repräsentativerhebung rund 35,5 mill.
Betriebe mit durchschnittlich 3ha. Aber davon waren 60% kleiner
als 2ha und nur 5,6% großer als 10ha. Die Ergiebigkeit
landwirtschaftlicher Flächen ist von Gegend jahr zu jahr
recht verschieden, da die Unterschiede das klimas, der Boden
beschaffenheit und der Regenmenge stark ins Gewicht fallen.
Je nach kapazität und Dauer des Monsuns schwanken die Erträge.
War der Regen nicht reichlich genug, dann wirkt sich der Mangel
nicht nur auf die ohnehin dürren Gebiete, z.B.in Abjagst,
aus, sondern viel mehr auf Gegenden, die normalerweise gute
Ernten zu verzeichnen haben, z.B. Zentralindien.
Nahrungsmittel ( vier Fünftel der
gesamten nutzfläche ) : An der Spitze der Kulturpflanzen
steht Reis mit einem drittel der gesamten Anbaufläche.
Er gedeihtüberall im süden wie im Norden bis ins
Gebirge hinein, sobald das nötige wasser vorhanden ist.
Hirse begnügt sich mit dem steppenklima imschwarzerdegebiet
des Dekkhan. Die winterbestellung in nordindien bevorzugt
weizen, besonders ertragreich sind die Bewässerungsfelder
im bereich der ströme, die im sommer für den Reisanbau
dienen. Doppelanbau hängt davon ab, dass es genug wasser
für beide Bestellungen gibt. Gerste und Mais werden ebenfalls
angebaut. Besonders wichtig sind Hülsenfrüchte als
Eiweissträger für eine Bevölkerung, die sich
vorwiegend vegetarisch ernährt. Für sie steht ein
siebentel der Nutzfläche zur verfügung. Von enormer
wichtigkeit, auch für den export, ist zuckerrohr; indien
ist einer der größten Zuckerproduzenten der Erde.
Bananen, Zitrusfrüchte, mangos werden reichlich angebaut.Neben
diesen und anderen tropischen obstsorten keine geringe Rolle,
Kernund steinobst wird in klimatisch geeigneten Höhenlagen
in Obstplantagen gezüchtet. Auch das Angebot an Gemüse
enthält beides, tropische und europäische Sorten.
An öfrüchten werden produziert Kokosnuß und
Leinsamen.
Handelsgewächse ( ein Fünftel der Nutzfläche
): Mit seiner produktion an Handelsgewächsen spielt Indien
eine wichtige Rolle auf dem Weltmarkt. Seit dem vorigen Jahrhundert
bereits wird Jute exportiert (Bengalen, Bihar, Assam).Unter
den Baumwolländern steht Indien an vierter Stelle. Schließlich
ist Tee von großer Bedeutung, in steigendem Masse auch
kaffee und natürlich die Gewürze.
Viehbestand: Etwa ein Fünftel des weltbestandes
an Rindern befindet sich in Indien. Der größere
Teil davon ist unproduktiv. Die Milchmenge je kuh ist verglichen
mit anderen Ländern äußerst gering. Schlachtungen
sind aus religiösen gründen verboten, so dass die
Rinderrassen weitestgehend degeneriert sind. Die Heiligkeit
der kuh ist ein Relikt aus früheren kulturzuständen,
in ihr sieht der fromme Hindu die Lebenskräfte der welt
verkörpert. Eine große Rolle spielt daher die Büffelmilch,
auf die sich die Milchversorgung bereits zu einem guten Teile
stützt. Die großen städte verfügen Über
modern eingerichtete Molkereien, meistens Zuwendungen im Rahmen
der Entwicklungshilfe. Sie sind aber außerstande, die
Millionenstädte ausreichend zu versorgen. Die Milchkarte
ist daher eine ständige Einrichtung. Butter gibt es genügend
auf dem Markt, Käse nur in Form von Schmelzkäse
sehr mäßiger Qualität. Indien hat diese Möglichkeit
der Milchverwertung nie genutzt, weil das zur käsebereitung
notwendige Lab aus dem Magen des Rindes gewonnen wird. Ziegenhaltung
durch Mahatma Gandhi populär geworden, bleibt innerhalb
des privaten Sektors. Die schafzucht reicht für den wollbedarf
des Landes aus.
Wald: Indien war früher von waldern bedeckt;
durch den Raubbau der Jahrtausende ist davon wenig übrig
(rund 20% der Gesamtfläche), und meistens handelt es
sich nicht um wälder im europäischen Sinne. Sie
bestehen aus palmen, Bambus, Kieferähnlichen Koniferen,
ein Baumbestand, der keinen tiefen schatten spendet, und dem.
Was an Teak und Sal, den wertvollen tropischen Harthölzern,
übriggeblieben ist. Sehr oft handelt es sich nur um Dornbuschgestrüpp
von Akazien und Tamarisken. Die Hänge der Himalayas und
der Ostund West-Ghats und Teile des Dekkhan-Hochlandes sind
buschbewachsen Harthölzer finden sich an der küste
von Bengalen und auf den Andamanen. Die Gefahren zunehmender
Erosion durch wilde Abholzung sind Gegenstand öffentlicher
Diskussion.
Fischerei spielt lediglich für die Ernährung
der lokalen Küstenbevölkerung eine Rolle, auch in
den Binnengewässern bleibt der Fischfang begrenzt
Obwohl Indien flächen-und bevölkerungsmassig ein
so ausgeprägtes Agrarland ist,, reicht die Erzeugung
von lebensmitteln nicht einmal für den eigenen Bedarf
aus. Die knappheit wird von Spekulanten ausgenutzt und hat
auch ein Ausmassan Nahrungsmittelfälschung hervorgerufen,
das von den Behörden nicht mehr kontrolliert werden kann.
Mehl butter,öl, um nur einige besonders betroffene Grundnahrungsmittel
zu nennen, werden durch minderwertige und nicht selten gesundheitsschädliche,
krebsfördernde Stoffe gestreckt. Umfassende Maßnahmen
werden geplant, um diesen Engpass für immer zu überwinden.
Ausgedehnte Bewässerungsanlagen sorgen für einen
gleichmäßigen Wasserhaushalt. In Tamilnadu sind
es 42% der Anbaufläche, in Jammu und Kashmir 41% im Panjab
38%, in Andra Pradesh 27%, in Assam 26%, dagegen in Karnataka
( Mysore) nur 7% und in Maharashtra nur 6%,. Die kanäle
werden, wenn möglich, von Flüssen gespeist, die
das ganze jahr hindurch Wasser führen; in steigendem
masse werden auch Brunnen und Stauseen benutzt. Der fruchtbarste
Landesteil ist das Himalaya-Vorland, dort haben wir 30% des
gesamten Nutzlandes, 50% aller bewässerten Flächen
und fast 60% des Mehrfachanbaues.
Auch Versuche mit dem Anbau ergiebigerer Getreidesorten waren
erfolgreich. 1971 gab es eine Rekordernte, Indien hoffte von
Einfuhren unabhängig zu werden. Aber 1972 kam ein Rückschlag,
wieder mussten die fehlenden Getreidemengen auf dem weltmarkt
eingekauft werden, nachdem die USA auf indischen Wunsch ihre
Jährlichen Lieferungen eingestellt hatten. 1976 schenkte
wiederum eine Rekordernte. Seit der Unabhängigkeit ist
eine Reform der Agrarstruktur geplant, aber nur in den Anfängen
durchgefhrt. |